Fälschungssicher und prämiert

Mirko Mollik gründete gemeinsam mit Florian Rüffin (nicht im Bild) die Firma Trustcerts als Ausgründung an der Westfälischen Hochschule. Dort befinden sich derzeit auch noch die Büros. Noch parallel zum Studium bauen die Jungunternehmer an ihrer Karriere. Das noch junge Cyber-Security-Unternehmen Trustcerts tritt an, um Zeugnisse und Dokumente durch die Blockchain fälschungssicher zu machen. „Das Gründerstipendium-NRW unterstützt das Einkommen, um sich auf das Start-up zu konzentrieren“, erzählt Mollik. Für das geplante Wachstum und einen guten Markteintritt sind nun jedoch externe Mittel nötig wie zum Beispiel durch Fördermittel, private Geldgeber oder Kooperationen. Foto: Institut für Internet-Sicherheit/Robert Willerscheid

Mirko Mollik studiert an der Westfälischen Hochschule Informatik und ist jetzt schon Unternehmer. Er hat gemeinsam mit Florian Rüffin die Firma „Trustcerts“ gegründet. Mit ihrer Idee der fälschungssicheren Dokumentenspeicherung und -archivierung durch das Blockchain-Verfahren haben die beiden Gründer scheinbar genau den Nerv der Zeit getroffen und spüren gute Wachstumschancen – auch in oder gerade wegen der Corona-Krise, da sich dadurch viel im digitalen Datenaustausch und der -sicherung verändern muss und wird.

(MV) Die Basis für die Geschäftsidee legte Mirko Mollik Anfang 2018, als er für ein Forschungsprojekt an der Westfälischen Hochschule am Institut für Internet-Sicherheit über die sogenannte Blockchain-Technologie und die Sicherung von Kryptowährungen forschte. Danach ließ ihn das Thema nicht mehr los. Dieses Verfahren sei, vereinfacht erklärt, eine Speicherung von digitalen Daten in Informationsketten auf verschiedenen Servern, die dadurch besonders fälschungssicher werden und, wie in Stein gemeißelt, nicht verändert werden können, erklärt Mollik. Dabei werde der Verlauf sowie jede Veränderung in den zu sichernden Informationen genau dokumentiert und deren Manipulation damit nahezu unmöglich. Dies gilt auch für deren Löschung. Selbst wenn ein bestimmter Prozentsatz der verteilten und verketteten Server ausfallen sollte, sind die Daten noch sicher.

Ein erster Ansatz für eine umsetzbare Produktidee ergab sich durch die Tatsache, dass in Zeiten digitaler Verarbeitungsprozesse immer mehr gefälschte Zeugnisse im Umlauf sind. „In Deutschland ist etwa jedes zehnte Zeugnis gefälscht“, zitiert Mollik eine aktuelle Untersuchung. „Der Leistungsdruck wird immer größer und die digitalen Möglichkeiten immer besser. Mit entsprechender Fotobearbeitungssoftware lassen sich heute einfacher denn je Dokumente verändern“, weiß Mollik. „Mit Blockchain bieten wir beispielsweise Hochschulen oder Behörden die Möglichkeit, solche Dokumente fälschungssicher digital zu erstellen und zu archivieren.“ Basierend auf dieser Produktidee wurde „Trustcerts“ gegründet. Mit ihrem Serviceangebot können so abgelegte Zeugnisse und Dokumente möglichst schnell und einfach auf ihre Echtheit geprüft werden.

Doch das Blockchain-Verfahren birgt auch ein Problem, dass es jüngst zu lösen galt: Was gilt in Bezug auf die Vereinbarkeit mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die von der Europäischen Union verabschiedet wurde und seit Mai 2018 gültig ist? Was, wenn beispielsweise Daten gesichert werden, die falsch sind und eine Person einen Rechtsanspruch darauf hat, diese ändern oder gar löschen zu lassen? Noch schlimmer: Was tun, wenn gesetzeswidrige Daten so vor notwendiger Löschung bewahrt werden?
Auch dafür haben die Geschäftsgründer von Trustcerts mittlerweile eine Lösung gefunden. Mollik: „Ein Patent für unser Verfahren zu bekommen, ist bereits in Planung.“

Geholfen habe bei der Gründung ihres Start-ups die im Ruhrgebiet ansässige Gründungsszene der „Start-up-HUBs“, eine Initiative des NRW-Wirtschaftsministeriums, berichtet Mollik. Durch die Kontakte und das sich daraus ergebene Netzwerk sei es einfacher Fuß zu fassen. An der Westfälischen Hochschule wünscht sich Mollik noch mehr Anlaufstellen in Sachen „Ausgründung“ und ist sich sicher, dass dann noch mehr Studierende den Weg in die Selbstständigkeit finden. Auf jeden Fall will Trustcerts im Ruhrgebiet und in der Region bleiben und wachsen: „Hier haben wir bestmögliche Chancen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für unser noch junges Unternehmen zu rekrutieren“, so Mirko Mollik, der dabei auch an Absolventinnen und Absolventen der Westfälischen Hochschule denkt.

Ende Juni gab es für Trustcerts einen „kleinen Ritterschlag“ von NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart. Sie gewannen den Teilwettbewerb der Kampagne „Neue Gründerzeit NRW“. Bei der digitalen Roadshow in Essen kamen sie aufs Siegertreppchen. „Ich gratuliere Trustcerts zu dem überzeugenden Pitch. Mit der Idee eines digitalen Notars zeigt das Start-up beispielhaft, welches Potenzial in den jungen Gründerinnen und Gründern steckt. Auch wenn ihre Vorhaben noch in den Startlöchern stehen, wollen wir ihnen die nötige Unterstützung geben und sie ermutigen, dran zu bleiben“, zitiert das NRW-Wirtschaftsministerium Pinkwart in seiner Pressemitteilung.

Die beiden Gründer Mirko Mollik und Florian Rüffin gewannen mit der Einreichung und Präsentation ihrer Geschäftsidee 2.000 Euro Preisgeld von der NRW-Bank. Mit dem Wettbewerb „Neue Gründerzeit NRW“ will die Landesregierung jungen Gründerinnen und Gründern aus Nordrhein-Westfalen eine Bühne für ihre Geschäftsidee bieten. Bei der siebten von insgesamt acht Roadshows überzeugte das Start-up Trustcerts die Expertenjury und setzte sich gegen vier weitere Gründerteams aus der Region durch.

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NEUE GRÜNDERZEIT NRW

Die letzte Station der Roadshow fand am 20. August in Köln statt. Die Gewinnerinnen und Gewinner der regionalen Wettbewerbe nehmen am großen Finale am 30. September in Düsseldorf teil, bei dem es den Hauptpreis „Durchstarter.NRW“ zu gewinnen gibt, der mit 5.000 Euro dotiert ist.

An den Wettbewerben können Gründerinnen und Gründer teilnehmen, die ihr Unternehmen in den letzten zwölf Monaten vor dem Veranstaltungstermin des jeweiligen Events gegründet haben. Interessenten werden gebeten, die „Startercenter NRW“ in ihrer Region anzusprechen.

Die digitale Roadshow als Stream