Datenschutzverordnung im Internet

Viele Internet-Nutzer und -Nutzerinnen wollen die Internet-Inhalte kostenfrei in Anspruch nehmen, bekommen dafür aber Werbung eingespielt, die den Betrieb der Sites (mit-)finanziert. Tobias Urban vom Institut für Internet-Sicherheit hat überprüft, wie sich die seit 2018 gültige europäische Datenschutzgrundverordnung auf das Sammeln von Nutzerdaten auswirkt. Bildschirmwiedergabe einer zufälligen Internetseite: WH/BL, Quelle: Neue Zürcher Zeitung

Am 25. Mai 2018 trat die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Sie regelt, wann und wie personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen. Wie sich die DSGVO im Internet auf das Nachspüren von Nutzerverhalten für personenbezogene Werbung auswirkt, hat Tobias Urban vom Institut für Internet-Sicherheit in seiner Doktorarbeit untersucht.

(BL) Die Menschen bewegen sich viel und immer mehr im Internet. „Browser sind daher fast schon der Ersatz für Rechner-Betriebssysteme, da sie immer mehr persönliche und sensible Daten wie Kreditkartennummern oder Gesundheitsdaten verarbeiten“, so Tobias Urban aus Bottrop, frisch gebackener Doktor der Ingenieurwissenschaften. Seine Dissertation schrieb er an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Ruhr-Universität Bochum und stand dabei unter der Betreuung von Prof. Norbert Pohlmann, Direktor des Instituts für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule.

Da viele Internet-Nutzer und -Nutzerinnen Internet-Dienste kostenfrei nutzen wollen, ist es für die Werbenetzwerke auf diesen Seiten wichtig, das Nutzerverhalten zu verfolgen – zu tracken –, um ihre Vorlieben und Gewohnheiten für gezielte Werbung kennenzulernen. Die Sites finanzieren sich dann über die Werbeeinnahmen der Werbung schaltenden Unternehmen, der Nutzer bleibt kostenfrei. Er „zahlt“ aber indirekt mit seinen Daten. „Dieses Nachverfolgen wird von vielen Nutzern und Nutzerinnen aber trotzdem als Eindringen in ihre Privatsphäre empfunden“, so Urban. Seit 2018 nun müssen alle Firmen, die Europäern Internet-Dienste anbieten, sich an die Regeln der DSGVO halten, egal, in welchem Land der Erde der Hauptsitz der Firma ist. Urban stellte daher die Frage, ob die DSGVO wirkt, welche Änderungen sie bewirkt hat und ob Nutzer ihre neuen Rechte wahrnehmen und dieses Verhalten zu ihrem Vorteil ist.

Um es vorweg zu nehmen: Ob die Erwartungen, die an die DSGVO gestellt wurden, auch erfüllt werden, konnte Tobias Urban  nicht in vollem Umfang in der Wirklichkeit nachweisen. Das, so Urban, habe mehrere Gründe: Zum einen dürfe die Analyse der Websites nicht auf deren Startseiten beschränkt werden, sondern müsse stark in die Tiefe der Sites eintauchen, was technische Probleme bei der Wirkungsanalyse mit sich bringt.

Das Problem bei einer umfassenden Analyse von Anbietern liegt aber auch bei der Größe der Unternehmen: „Vor allem kleine und mittlere Anbieter scheuen den Aufwand DSGVO-konform zu arbeiten und ziehen sich eher zurück“, so Urban, „daraus ergibt sich, dass große Anbieter wie Google oder Amazon noch mehr Marktmacht bekommen.“ Auf der Seite der Nutzer und Nutzerinnen, die ihre neuen DSGVO-Rechte wahrnehmen wollen, sieht es auch nicht viel besser aus. Denn wenn sie den Zugang zu den von ihnen gesammelten Daten anfordern, bekommen sie Daten und Datenmengen, die sie kaum verstehen können. Nun könnte man vermuten, dass die Firmen das genauso wollen, allerdings stellte Tobias Urban fest, dass auch auf der Seite der Anbieter und Datensammler auch zwei Jahre nach der Rechtskraft der DSGVO und vier Jahre nach der Bekanntmachung immer noch viele Unsicherheiten bestehen.

Fotogalerie