Flüge für die Wissenschaft

Prof. Dr. Hartmut Surmann (vorne) und Artur Leinweber (hinten) bereiteten sich auf dem Hochschulgelände in Gelsenkirchen für die Feuerwehr-Großübung in Viersen vor. Auf den ausgedruckten und laminierten Landeflächen sind drei Drohnen zu sehen. Foto: WH/MV

Ende August nutzten Prof. Dr. Hartmut Surmann und sein Team – die Masterstudierenden Artur Leinweber, Marc Thurow und Gerhard Senkowski – die Möglichkeit, an einer groß angelegten Feuerwehrübung in Viersen teilzunehmen, um ihre Rettungsdrohnen zu testen. Ihr Drohnenprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Dessen Ergebnisse dienen dem Aufbau eines „Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums“ in Dortmund. Hartmut Surmann, Professor für autonome Systeme an der Westfälischen Hochschule, lehrt und forscht seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Rettungsrobotik und leitet das Projekt, das im Oktober 2018 startete und noch bis Ende September 2022 läuft.

(MV) „Drohnentests unter möglichst realen Bedingungen bringen die Forschung erst richtig weiter“, weiß Prof. Dr. Surmann, Professor für das Lehrgebiet „Autonome Systeme“ an der Westfälischen Hochschule. Deshalb nutzen er und die wissenschaftlichen Mitarbeiter und zugleich Masterstudenten Artur Leinweber, Marc Thurow und Gerhard Senkowski so viele Testszenarien wie möglich, um ihre Entwicklungen auf „Herz und Nieren“ zu prüfen und weiter zu verbessern.

Eine perfekte Testumgebung bot dabei eine Großübung der Kreisfeuerwehr Viersen und der Freiwilligen Feuerwehr Elmpt, die Ende August dazu eingeladen hatten. Landwirte der Region stellten die dafür notwendigen Flächen und Maschinen zur Verfügung und beteiligten sich zudem am Übungsaufbau. „Auch die lokale Wirtschaftsförderung unterstützt diese großangelegte Übung“, berichtet Surmann. „Geplant ist, diese Großübung jährlich zu wiederholen, was uns für unsere eigenen Entwicklungstests sehr freuen würde.“

Die Auffassung, dass solche Übungen äußert wichtig und hilfreich in Ergänzung zum Gelernten sind, teilen ebenfalls die Masterstudenten Artur Leinweber, Marc Thurow und Gerhard Senkowski. Senkowski: „Man lernt, dass unvorhersehbare Sachen passieren und dass man darauf schnellstmöglich reagieren und improvisieren muss. Es ist schon stressig gewesen, aber auch die anderen ‚kochen mit Wasser‘ und wir konnten gut üben, mit solchen Situationen umzugehen.“ Allein schon die Tatsache, dass die Feuerwehr direkt am Brandherd intensiv mit Löschaufgaben beschäftigt ist, stelle eine Herausforderung dar, erläutert Surmann: „Denn wie bekommen wir die gesammelten und aufbereiteten Informationen schnellstens zu den handelnden Personen vor Ort? Der Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau müssten eigentlich ein Tablet bei sich haben, sind aber mit Löschen beschäftigt“, stellt Surmann überspitzt dar. Die Technik, mit der die Gelsenkirchener Forscher angereist waren, sei derzeit der neueste Entwicklungsstand. Die Drohnen verfügen über Kameras mit optischem Zoom und hoher Auflösung, Infrarotkameras sowie die Möglichkeit, 360-Grad-Panoramen zu filmen. „Zudem wurde die Programmierung der Drohnen so vorbereitet, dass Flugmanöver aus bestimmten Perspektiven aufgezeichnet wurden“, erläutert dazu Masterstudent Marc Thurow. „Diese sogenannten Meanderflüge dienen dazu, die Aufnahmen nach der Auswertung mit Kartenmaterial in ‚Google Maps‘ übereinanderzulegen. So werden Veränderungen direkt sichtbar und Schäden oder Ausmaße des Unglücks können einfacher und schneller beurteilt werden. Zudem können mit der wärmeempfindlichen Infrarotaufnahme Glutnester ausfindig gemacht werden, die nur rein optisch nicht zu erkennen wären“, berichtet Thurow weiter.

Damit das zeitnah gelingt, müsse auch die Infrastruktur am Einsatzort stimmen. Dazu gab es eine Premiere bei der Übung: Ein mobiler Roboter-Leitwagen mit Mini-Rechenzentrum, Cloud- und Video-Service sowie einer Funknetzeinrichtung mit entsprechendem W-LAN für das Einsatzgebiet war erstmals dabei. „Nur mit solcher Infrastruktur lassen sich auch die gewonnenen Daten schnell auswerten und mit entsprechender Software aufbereiten, damit sie den Einsatzkräften zur Verfügung gestellt werden können. „Wir haben viel Material für zukünftige Arbeiten mitnehmen können“, sind sich die drei einig. „Dabei gewesen zu sein, ist ein Privileg und hat sehr viel Spaß gemacht“, ergänzt Artur Leinweber. „Bei der Übung sind beispielsweise Brandherde unplanbar sehr schnell abgebrannt. Dadurch gerät man schnell unter Druck, lernt aber spontan zu sein und reagieren zu können und das gemeinsam mit den Einsatzkräften, die sehr viel Erfahrung haben. Man lernt auch, dass Lösungen nur im engen Miteinander entwickelt werden können.“ Ein Fazit des Teams: „Es ist ein tolles Gefühl, denen helfen zu können, die anderen Menschen im Einsatz helfen.“

 

 

Fotogalerie

Filmmaterial von der Feuerwehr-Großübung in Viersen:

Film 1

Film 2

Film 3

Film 4

Film 5