Strategien und Pläne bis 2026

Das neue Präsidium (von links nach rechts): Prof. Dr. André Latour: Vizepräsident für Nachhaltigkeit und Internationales, Prof. Dr. Ulrike Griefahn: Vizepräsidentin für Digitalisierung, Prof. Dr. Bernd Kriegesmann: Präsident, Prof. Dr. Michael Brodmann: Vizepräsident für Forschung und Transfer, Prof. Dr. Tatjana Oberdörster: Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Dr. Heiko Geruschkat: Kanzler. Foto: WH/BL

Seit dem ersten August hat die Westfälische Hochschule ein neues Präsidium. Trikon sprach nach den ersten hundert Tagen mit den Mitgliedern über Strategien und Pläne für die Hochschule bis 2026.

(BL) Bereits neun Monate vor dem Stichtag für das neue Präsidium ist Prof. Dr. Bernd Kriegesmann von der Hochschulwahlversammlung in seinem Amt als Präsident der Westfälischen Hochschule von 2020 bis 2026 bestätigt worden. Im Mai 2020 wurde Kanzler Dr. Heiko Geruschkat – ebenfalls von der Hochschulwahlversammlung – in seinem Amt bestätigt, das er damit bis Ende März 2027 bekleiden wird. Gleichzeitig stellte Präsident Kriegesmann seine Kandidaten für die Vizepräsidentenressorts vor, die anschließend von der Hochschulwahlversammlung in ihre neuen Ämter gewählt wurden: für das Ressort „Studium und Lehre“ die Bocholter Professorin Dr. Tatjana Oberdörster, für „Forschung und Entwicklung“ Prof. Dr. Michael Brodmann, der den Hochschulmitgliedern in dieser Funktion bereits lange bekannt ist, für „Digitalisierung“ Prof. Dr. Ulrike Griefahn vom Standort Gelsenkirchen und für das Ressort „Nachhaltigkeit und Internationales“ der Recklinghäuser Professor Dr. André Latour. Damit stand das sechsköpfige Präsidiumsgremium, das am ersten August durchstartete und das letzte Präsidium ersetzt.

Trikon: Das Präsidium unserer Hochschule hat die 100-Tage-Marke im Amt erreicht. Warum gab es deutliche Änderungen gegenüber dem vorherigen Präsidium?
Prof. Dr. Bernd Kriegesmann: „Das Präsidium hat in der Tat einen neuen Zuschnitt. Neben der Besetzung unserer ,Kernressorts‘ Lehre und Forschung sind zwei neue Ressorts geschaffen worden. Mit den Themen ,Digitalisierung‘ und ,Nachhaltigkeit‘ wollen wir sichtbare Impulse setzen, dass uns diese Gestaltungsfelder in den nächsten Jahren in besonderer Weise wichtig sind. Insgesamt wollen wir in den Ressorts Bewährtes weiterentwickeln und Neues anschieben. Das Präsidiumsteam spiegelt diese angestrebte Balance von Routine und Innovation aus meiner Sicht auch wider: Erfahrene Präsidiumsmitglieder, die natürlich nicht nur für Kontinuität, sondern auch für Neues stehen, und neue Präsidiumsmitglieder, die sich mit einem neuen Blick hoch engagiert einbringen. Wie in der letzten Amtszeit meine ich, sind mit dem Kanzler und den Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten genau die richtigen Menschen für die anstehenden Aufgaben gewählt worden.“

Trikon: Welche Schwerpunkte werden künftig für den Bereich Studium und Lehre an der Westfälischen Hochschule gesetzt?
Prof. Dr. Tatjana Oberdörster: „Die Westfälische Hochschule befindet sich in einer Entwicklungsphase, in der es verstärkt um qualitatives Wachstum gehen muss. ,Gute Lehre‘ als Kerngeschäft unserer Hochschule trägt – ebenso wie die Weiterentwicklung unseres Studiengangportfolios – im entscheidenden Maße zur Attraktivitätssteigerung unserer Hochschule bei. Neben einer Fortentwicklung verschiedener Prozesse rund um das Thema Studium und Lehre wie beispielsweise der Evaluation ist es mir ein Anliegen, Lehre in den Fokus zu rücken und Lehrende ins Gespräch zu bringen. Lehre ist Begegnung – dies gilt für die Westfälische Hochschule als Präsenzhochschule in besonderem Maße. Gleichwohl gilt es auch, Digitalisierung für die Lehre zugänglich und nutzbar zu machen. Wir können Digitalisierung nutzen, um Lehre transparenter und sichtbarer zu machen und damit zu einer erhöhten Wertschätzung von Lehrleistungen beitragen.“

Trikon: Was ist neben der Kontinuität das Neue, das in den nächsten Jahren auf der Agenda des Ressorts Forschung und Transfer steht?
Prof. Dr. Michael Brodmann: „In der Tat hat unsere Hochschule inzwischen Forschungsstrukturen
etabliert, deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Mein Hauptaugenmerk wird sich nun darauf richten, dass wir in den kommenden Jahren die Akquisitionsfähigkeit von Forschungsaufträgen verbessern sowie die Unternehmenskooperationen intensivieren. Dazu muss vor allem der Prozess der Antragstellung und des Transfers stärker als bisher unterstützt, aber auch die Zusammenarbeit zwischen Forschern verbessert werden. Dazu brauchen wir personelle Verstärkung, die sowohl im internen Forschungssupport als auch im hochschulübergreifenden Bereich der Hochschulallianz ,ruhrvalley‘ gerade gefunden wird. Zudem werden wir gemeinsam die Herausforderungen einer kreativen und digital nachvollziehbaren Forschung zum Beispiel durch den Aufbau eines Forschungsdatenmanagements angehen! Aber auch zukünftig wird mir das Thema ‚Ausgründungen aus unserer Hochschule‘ und damit das Schaffen von Arbeitsplätzen in besonderer Weise am Herzen liegen.“

Trikon: Digitalisierung ist ein Schlagwort unserer Zeit. Welche Potenziale der Digitalisierung und welche Herausforderungen bestehen für unsere Hochschule?
Prof. Dr. Ulrike Griefahn: „Die digitale Transformation verändert die Welt grundlegend. In unserer Hochschule wirkt sie dabei auf Lehre und Forschung sowie in nicht zu unterschätzendem Maße auf unsere Verwaltung in ihrer Aufgabe, die Prozesse der Hochschule bestmöglich zu unterstützen. Digitalisierung ist strategisch und operativ relevant in allen Ebenen und Bereichen der Hochschule und muss dort nachhaltig verankert werden. Dabei darf sie jedoch kein Selbstzweck sein! Digitalisierung soll für die Hochschule und die beteiligten Menschen gewinnbringend sein und Prozesse vereinfachen. Wenn sich Erfolge einstellen, werden wir die digitale Transformation gemeinsam und motiviert vorantreiben und das Profil einer modernen zukunftsfähigen Hochschule nach außen sichtbar stärken können.“

Trikon: Mit dem Ressort Nachhaltigkeit will die Westfälische Hochschule einen besonderen Akzent setzen. Wie ist das dahingehende Vorgehen und wie die Agenda für das Ressort Internationales?
Prof. Dr. André Latour: „Unser Ziel ist es, die drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökologie, Ökonomie und Soziales verhältnismäßig miteinander in Einklang zu bringen und vor allem ehrlich mit dem Thema umzugehen. Dabei wollen wir uns nicht allein an übergeordneten Nachhaltigkeitszielen ausrichten, sondern vor allem mit anderen motivierten Akteuren unserer Hochschule konkrete Projekte mit Nachhaltigkeitsbezug in den Bereichen Lehre, Forschung, Betrieb und ,Third Mission‘ umsetzen. Sodann gilt es, diese und auch zahlreiche, bereits bestehende Projekte und Maßnahmen nach außen hin sichtbar zu machen und auf lange Sicht eine Nachhaltigkeitskultur in unserer Hochschule zu entwickeln.
   Im Bereich Internationales sind bereits sehr gute Strukturen und Projekte in unserer Hochschule etabliert, die wir stärken und ausbauen wollen. Wir freuen uns aber auch, wenn wir neue Kollegen für das Themenfeld gewinnen können, um dieses mit ihnen gemeinsam zu gestalten. Derzeit müssen wir vor allem den Auswirkungen der Corona-Pandemie begegnen und auch im internationalen Kontext daraus entstehende gute Entwicklungen, zum Beispiel im Bereich der digitalen Angebote, unterstützen. Wir sind im Übrigen sicher, durch weitere Kooperationen mit Praxispartnern oder etwa anderen Hochschulen, zum Beispiel im Rahmen der Hochschulallianz ,ruhrvalley‘, neue Impulse für die Internationalität unserer Hochschule setzen zu können.“

Trikon: Auf welchen Weiterentwicklungsperspektiven liegt in der kommenden Zeit das Augenmerk der Hochschulverwaltung?
Dr. Heiko Geruschkat: Mein Hauptanliegen ist es, neben einer soliden Wirtschaftsführung mit gezielten Projekten zur kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Hochschule als attraktiver Studienort und als attraktive Arbeitgeberin beizutragen. Ich denke hier beispielsweise an das laufende Projekt ,WH Campus 2020‘, mit welchem wir alle drei Hochschulstandorte in den kommenden Monaten insbesondere im Hinblick auf die studentischen Lern- und Aufenthaltsbereichen noch attraktiver gestalten werden. Ebenso wurden wir erst kürzlich nach einem erfolgreich durchlaufene Auditierungsverfahren als familienfreundliche Hochschule zertifiziert, woraus sich natürlich aber nun eine Reihe von Folgeaktivitäten ergeben. Zudem erhoffe ich mir auch viele Impulse von einer geplanten Zertifizierung im Bereich der Nachhaltigkeit für die Optimierung des Betriebs unser Hochschulgebäude. Daneben gilt es aber genauso, unsere Support-Prozesse unter Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen dauerhaft weiterzuentwickeln. Standardisierung und sinnvolle Digitalisierung von Prozessen sind dabei für mich die wesentlichen Kriterien. Umso mehr freue ich mich ganz in diesem Sinne über die erst kürzlich erfolgreiche Produktivsetzung eines Bewerbungsmanagementsystems. In einem weiteren Schritt arbeiten wir derzeit daran, unter anderem den Bereich der Reisekostenabrechnung zu digitalisieren.