Die Zukunft lehren

Für Spaß legten die Studenten für’s Erinnerungsfoto ausnahmsweise die Füße auf den Tisch, um zu zeigen, dass es ihnen um den „ökologischen Fußabdruck“ ging. Foto: WH/Reinhold Benning

Gemeinsam mit den Initiatoren der Aktion „Scientists-4Future“ riefen zehn Professorinnen und Professoren der Hochschule Rhein-Waal ihre Kollegen weltweit auf, selbst ein Zeichen für den Handlungsbedarf beim Thema „menschgemachter Klimawandel“ zu setzen und eine ihrer Lehrveranstaltungen in der dritten Juniwoche dem Thema „Klima“ zu widmen. Prof. Dr. Manfred Meyer von der Hochschulabteilung Bocholt machte mit und ließ Studenten in zwei seiner Lehrveranstaltungen einen Algorithmus entwickeln, der den persönlichen Kohlenstoff-Fußabdruck infolge von Mobilität berechnet. Mit seiner Aktion war Meyer nicht allein: Über 200 andere Wissenschaftler an Hochschulen weltweit machten auch mit. Das Motto der Aktion: „#LecturesForFuture“.

(BL) 19 Studenten im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik hatten damit ein aktuelles Thema, um theoretische Lehre in den Lehrveranstaltungen „Algorithmen und Datenstrukturen“ sowie „Grundlagen der Informatik 2“ in eine praktische Anwendung aus der Klimaforschung umzusetzen. Die inhaltlich außerplanmäßige Veranstaltung bekam einen eigenen Namen: „Fallstudie Carbon Footprint Calculator zur Java-Anwendungsentwicklung“. Zunächst sammelten die Studenten Daten zum Thema und leiteten Formeln ab, um danach in Gruppen Java-Programm-Anwendungen zu entwickeln, mit denen sie den im Laufe ihres Studiums durch die Mobilität zum Studienort und vom Studienort nach Hause erzeugten persönlichen Kohlenstoff-Fußabdruck ausrechnen konnten. Alle vier Gruppen schafften es während dieses Tages, ein lauffähiges Programm dazu zu schreiben, je nach Eifer und Interesse in unterschiedlichen Differenzierungstiefen. Denn das wurde allen Beteiligten sehr schnell klar: Es gibt viele Einflussfaktoren, die zusammen den ökologischen Kohlendioxid-Fußabdruck erzeugen. Natürlich die Art, wie die Studenten zur Hochschule kommen, ob mit dem Auto, dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem öffentlichen Verkehr. Und natürlich, wie weit weg von der Hochschule ihr Zuhause ist. Rund ein halbes Dutzend Einflussfaktoren haben die Studenten während des eintägigen Seminars berücksichtigen können. Dabei entwickelten sie zugleich ein Gespür für ökologische Zusammenhänge und dafür, wie sie Wirtschaftsinformatik-Know-how dafür nutzen können. Rund zwei bis mehrere Tonnen Kohlendioxid, so die studentischen Berechnungen, kommen während eines Studiums an der Westfälischen Hochschule in Bocholt zusammen.

Die Studierenden beließen es aber nicht bei der Analyse, sondern diskutierten auch, mit welchen Maßnahmen sie diesen Effekt wieder neutralisieren könnten. Entsprechend viele Bäume zu pflanzen war da vielleicht ein origineller, aber wenig umsetzbarer Vorschlag, so Prof. Dr. Manfred Meyer. Andere Ideen bezogen sich darauf, Geld für ökologische Projekte zu spenden, die die Kohlendioxid-Emission kompensieren. Und natürlich: Die eigenen Gewohnheiten durch solche zu ersetzen, die weniger oder kein Kohlendioxid als Atmosphären-Last hinterlassen. Etwa: Autokilometer sparen durch das Bilden von Fahrgemeinschaften, die zugleich den Teamgedanken im Studium stärken. Oder bei passendem Wetter vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Eine Idee, die gerade im Westmünsterland sehr nahe liegt.

Fotogalerie