Elektrotechnik unter Tage

Nicht Spuren im Schnee, sondern im schneeweißen Salz hinterließen Prof. Dr. Markus Rüter (3.v.l.) und seine Studenten, als sie sich im Bergwerk Borth fürs Erinnerungsfoto auf die Schaufel eines Fahrladers stellten, der im Alltag das durch Sprengung hereingewonnene Salz zu Brechern und damit zu Bandanlagen für die Förderung nach über Tage „schaufelt“. Foto: Esco

Als Prospektoren kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts in Rheinberg im heutigen Kreis Wesel nach Kohle suchten, stießen sie auf – Salz. Eine Salzlagerstätte mit 200 Metern Mächtigkeit in einer Teufe von 500 bis fast 1000 Meter unter der Rasenkante. Welche Bedeutung der Abbau dort für die elektrische Versorgung des Bergwerks hat, erkundete Prof. Dr. Markus Rüter mit Studierenden der Elektrotechnik.

(BL) Elektrotechnik unter Tage war im deutschen Steinkohlebergbau ein heikles Geschäft, denn Funken bargen immer die Gefahr von Explosionen unter Tage. Im Salz ist es einfacher, da kein Methan als brennbares Gas auftritt. Trotzdem muss sich der Elektrotechniker auf eine ganz andere Welt einstellen, wenn er sich in einen halben Kilometer unter der Erde elektrotechnisch effizient der Aufgabe stellt, Grube und Bergleute mit Strom zu versorgen. Sieben Studenten trauten sich mit Prof. Dr. Markus Rüter in die Tiefe und lernten die besondere Vor-Ort-Welt im Steinsalzbergwerk Borth in Rheinberg kennen. Eine Aufgabe etwa ist, das ganze Grubengebäude so mit Strom zu versorgen, dass alle Abbau- und Fördermaschinen laufen und die Bergleute bei ihrer Arbeit nicht im Dunklen stehen. Außerdem braucht natürlich die Belüftung Strom, die in Bergwerken Bewetterung heißt. An dieser Stelle merkten die Studenten schnell, dass Borth der Übertagewelt in Bezug auf Elektromobilität weit voraus ist: Es werden, so möglich, elektrisch angetriebene Fahrzeuge eingesetzt, die keine Abgase erzeugen und damit die Bewetterung der Grube gegenüber etwa der Verwendung von Dieselfahrzeugen stark erleichtern. Das geförderte Salz ist hochrein und dient als Speisesalz, für die Chemie- und Medizinindustrie, aber auch als Streusalz, wenn im Winter die Straßen vereisen. Nach fünf Stunden unter Tage kamen alle gesund ans Tageslicht zurück und kehrten in die ehemalige Bergbaustadt Gelsenkirchen zurück.

„Solche Exkursionen zu technisch anspruchsvollen, interessanten Anlagen zeigen den Studierenden, wie Theorie in Ingenieurwirklichkeit umgesetzt wird“, so das Fazit von Prof. Dr. Markus Rüter, „das macht nicht nur Spaß und kann wie in diesem Fall ein echtes Abtenteuer sein, sondern stärkt zudem die Motivation fürs Studium.“

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