Lass dich von deinen Interessen, Fähigkeiten und Talenten leiten

Grafik: WH

Für Studierende, die Praxiserfahrungen sammeln möchten, gibt es seit Ende letzten Jahres die passende Plattform: den „X-Challenger“. Auf dieser Internetseite können sich Studierende auf Praxisaufgaben in Unternehmen, für Hochschulprojekte und studentische Projekte bewerben oder eine eigene Idee präsentieren – online und mit wenig Aufwand. Wer steckt hinter dem „X-Challenger“ und was macht die Idee aus? Nikola Leinweber sprach dazu mit Martin Granica, dem zuständigen Projektkoordinator an der Westfälischen Hochschule.

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Der X-Challenger ist eine Plattform, die hilft, Studenten einfach und unkompliziert an Unternehmen zu vermitteln und umgekehrt. Vor welchem Problem standen Sie, als die Idee für den X-Challenger kam?
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Als ich an die Westfälische Hochschule kam, hatte das Projekt schon eine gewisse Reife. Die Idee war da und ein Pflichtenheft für die Website schon fast fertig. Was ich an diesem Entwurf verbesserungswürdig fand, war, dass Unternehmen und Studierende nicht gleichwertig bedacht waren. Die Unternehmenssicht hatte Übergewicht, beide Bezugsgruppen waren im ersten Ansatz nicht auf Augenhöhe gedacht.

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Wie haben Sie das Problem gelöst?
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Vermeintlich waren es Kleinigkeiten. Mir war für die Umsetzung wichtig, dass die Struktur der Seite Studierende und Unternehmen gleichberechtigt zeigt, wie auch die Nutzerprozesse für beide Gruppen gleichwertig gestaltet sind. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich die Beobachtung, dass Firmen sich auf der Plattform präsentieren und Studierende sich darauf bewerben können, wird schnell verstanden. Das aber auch Studierende ihre Ideen ausschreiben und Unternehmen sich darauf bewerben können, überrascht doch einige Menschen. Viele Chefs etwa ziehen da die Augenbrauen hoch. Als dächten sie: „Wir uns als Unternehmen bei Studierenden bewerben?“ Aber während diese noch sinnieren, dass man sich dabei womöglich eine Zacke aus der Krone brechen könnte, hat der skandinavische Wettbewerber die besten Absolventen schon zu sich geholt.

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Welche Höhen und Tiefen haben Sie bis zum Start der Website durchlebt?
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Wir hatten für den umsetzenden Dienstleister kein üppiges Budget in petto. Als wir dann die Angebote bekamen, wurde jedoch erst richtig deutlich, wie schmal das Budget für das Gewünschte wirklich war.  Wir waren aber erleichtert, als wir bei Vor-Ort-Besuchen feststellten, dass auch die günstigen Agenturen überzeugen konnten. Highlights sind für mich einige der aktuell ausgeschriebenen Challenges. Da stecken so viele Möglichkeiten drin, super!

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Was planen Sie in Zukunft für den X-Challenger?
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Damit die Plattform ihren Zweck erfüllt, braucht sie Bekanntheit. Das ist die Voraussetzung für ein größeres Angebot an Challenges und viele Bewerber auf die ausgeschriebenen Herausforderungen. Das hierzu erforderliche Maß an Aufmerksamkeit und Bekanntheit zu bekommen, ist für das Redaktionsteam der Internetsite gegenwärtig die Herausforderung – insbesondere jetzt, in der Pandemie-Situation. Studierende auf dem Campus ansprechen: ist nicht; Unternehmensentscheider treffen: ist nicht; beide Gruppen über Vor-Ort-Events ansprechen: geht nicht. Also versuchen wir es über die sozialen Medien und bereits vorhandene Kontakte – wie so viele. Daher ist auch das kein Selbstläufer. Die Menschen werden gegenwärtig überschüttet mit Einladungen zu Webinaren, Podcasts oder sich in Video-Treffen auszutauschen.

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Die Plattform richtet sich ja besonders auch an Studierende, die Praxiserfahrung suchen. Haben Sie einen bestimmten Rat, den Sie diesen Menschen auf dem Weg geben möchten?
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Mit guten Gründen sind die meisten Unternehmen aktuell zurückhaltend, was das angeht. Das sollte für Suchende zumindest zwei Konsequenzen haben: Erstens: Erweitere deinen Fokus. Immer noch denken zum Beispiel Studierende der Journalistik bei ihrer Suche an Verlage, Agenturen, Medienhäuser oder Presseabteilungen von Großunternehmen. Dabei gibt es so viele kleinere Unternehmen, deren öffentliche Auftritte – vom Flyer bis zur Homepage – frischen Wind gebrauchen könnten. Handwerksbetriebe sind da meines Erachtens interessant. Die haben auch gegenwärtig Arbeit ohne Ende, klagen über Bewerbermangel und haben in Sachen Kommunikation in der Regel Aktualisierungsbedarf – Stichwort Arbeitgeberimage. Zweitens: Lass dich von deinen Interessen, Fähigkeiten und Talenten leiten und biete auf dieser Basis Lösungen an. Wenn deine Bewerbung eher wie das Angebot eines Freelancers daherkommt, hat der Entscheider den Eindruck, dass du Mehrwert mitbringst und nicht nur Betreuungsaufwand produzierst. Eine Variante davon ist, dich über den X-Challenger zu präsentieren. Zeige, welche Herausforderungen du suchst und in welcher Art von Projekt du Lösungen erarbeiten könntest.

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