Studienpreise in Recklinghausen

Lange und intensiv hat die Recklinghäuser Hochschulabteilung darüber nachgedacht, wie sie trotz der Schutzauflagen gegen Corona-Infekte die besten Absolventen des Jahres 2020 in einer Feierstunde für ihre Leistungen auszeichnen könnte. Am Ende konnte es keine Präsenzveranstaltung geben.

(BL) Was sonst Festredner der Hochschule und der Vestischen Freundegesellschaft der Hochschule bei einer Feier gesagt hätten, bekamen die vier Preisträger und Preisträgerinnen der vier Lehreinheiten des Standorts Recklinghausen Jan-Mathis Hein, Julia Jeguschke, Benjamin Klinghart und Kerstin Lütke Enking kurz vor Jahresende schriftlich: „Ihre Abschlussarbeit ist als beste Ihres Jahrgangs ausgezeichnet worden.“ Zusammen mit einem Brief, den die Dekane  Prof. Dr. Bernhard Bergmans für den Fachbereich Wirtschaftsrecht und Prof. Dr. Guido Mihatsch für den Fachbereich Ingenieur- und Naturwissenschaften, Christian Zumschilde für die „Vestische Freundegesellschaft“ und die Professoren Dr. Rainer Ostermann für die Lehreinheit Chemie und Dr. Michael Veith für die Lehreinheit der molekularen Biologie unterzeichnet hatten, erhielten sie einen Scan mit der persönlichen Studienpreisurkunde.

Studienpreise würdigen Abschlussarbeiten, die sich durch „hervorragende methodische oder technische Fähigkeiten hervortun und dank hohen Praxisbezugs einen innovativen Beitrag für die Region leisten“, so die Ausrichter der Preisverleihung. Die mit 500 Euro dotierten Preise gingen an Jan-Mathis Hein (24) aus Oberhausen (Master-Studiengang Molekulare Biologie), Julia Jeguschke (22) aus Gelsenkirchen (Bachelor-Studiengang Wirtschaftsrecht), Benjamin Klinghart (27) aus Mechernich (Master-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen) und Kerstin Lütke Enking (24) aus Münster (Bachelor-Studiengang Chemie).

Jan-Mathis Hein bekam den Preis für eine Software-Applikation, die den Lernerfolg künstlicher Intelligenz bei der Erkennung von Naturstoffen umfassend bewerten kann. Naturstoffe spielen in der pharmazeutischen Wirkstoffentwicklung eine bedeutende Rolle und liegen der Mehrzahl der heutigen Medikamente zugrunde.

Julia Jeguschke hat sich in ihrer Bachelor-Abschlussarbeit mit dem Datenschutz bei der Verarbeitung personenbezogener Bewerberdaten in privatrechtlichen, deutschen Unternehmen beschäftigt. Die Begründung zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sieht dazu vor, dass die Datenverarbeitung nur zulässig ist, wenn sie „geeignet, erforderlich und angemessen“ ist, „um den angestrebten Zweck zu erreichen“. Kontaktdaten müssten dazu beispielsweise nicht mehrfach erhoben werden und müssten bis zum Abschluss eines Arbeitsvertrages auch nicht die Postanschrift enthalten. Eins wurde auch deutlich: Aufgrund von Öffnungsklauseln gibt es keine gesamteuropäische Harmonisierung des Regelungsrahmens.

Die Masterarbeit von Benjamin Klinghart befasst sich mit der Produktionsverbesserung von Ringen, die Bestandteile von Großwälzlagern sind. Klinghart schrieb dazu ein Programm, das die nahtlose Verknüpfung zwischen Simulationssoftware und Walzwerk ermöglicht. Mithilfe nachfolgender Simulationen zur Optimierung des Walzprozesses konnte er ein deutliches Kosteneinsparpotenzial im aktuellen Verfahren nachweisen und darüber hinaus ein erhebliches Materialeinsparpotenzial in einer von ihm neu entwickelten Fertigungsstrategie.

Absolventin Kerstin Lütke Enking untersuchte, welche Wechselwirkung zwischen der Struktur und den Verarbeitungseigenschaften von Druckerharzen beim 3-D-Druck und den Eigenschaften der damit gedruckten und letztendlich ausgehärteten Kunststoffgegenstände besteht. So lassen sich bessere Harze entwickeln, die sich leicht durch die Druckerdüse pumpen lassen, sich beim Aushärten nicht verändern und hinterher brauchbare, auch bei höheren Temperaturen noch feste Materialien erzeugen.

Wie in jedem Jahr wurde auch für 2020 aus den vier besten Abschlussarbeiten der vier Lehreinheiten des Standorts Recklinghausen zusätzlich der/die Träger/-in des Peter-Borggraefe-Preises ermittelt. Peter Borggraefe ist der Recklinghäuser Politiker, der maßgeblich an der Gründung der Hochschulabteilung Recklinghausen beteiligt war. Die Entscheidung, die die Jury getroffen hat, ist jedoch noch geheim und dieses Geheimnis soll auch noch gewahrt bleiben, bis alle vier Studienpreisträger wieder gemeinsam auf einer Bühne stehen und die Entscheidung erfahren können. Der Peter-Borggraefe-Preis ist mit 750 Euro aus der Geldbörse von Sponsoren dotiert.

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